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«Baalsdorfer setzen ihren bösen Buben ein Schriftdenkmal» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Montag, 10. Februar 2003

Baalsdorfer setzen ihren bösen Buben ein Schriftdenkmal


In Baalsdorf steht wieder ein Jubiläumsfest ins Haus. Dieses Mal sollen Baalsdorfer und Ex-Bewohner der Gemeinde beim Zusammentragen von Baalsdorfer Geschichten und Anekdoten helfen. Fürs Fest wird zudem der "Dorfeuro" vorbereitet.In Baalsdorf an der östlichen Stadtgrenze von Leipzig weiß man lokale Höhepunkte wirksam in Szene zu setzen. Damit dafür die Kraft reicht, haben sich die etwa 1600 Baalsdorfer vor zehn Jahren entschlossen, nicht jedes Jahr ein großes Dorffest zu feiern, sondern nur alle fünf Jahre zu den runden Jubiläen. Dann aber auch mit besonderen Einfällen. Erinnert sei nur an die legendäre "Baalsdorfer Dorfmark" vor fünf Jahren als Festwährung in Form einer originellen Spendenquittung.

"Dorfeuro" neue Währung

Wenn vom 4. bis 6. Juni die Baalsdorfer des nunmehr 790. Jahrestages der ersten urkundlichen Erwähnung ihres Dorfes gedenken, soll es eine weitere Ausgabe der Währung geben - nun allerdings erstmals als "Dorfeuro". Derzeit bündeln die Vertreter des Heimat- und Kulturvereins, des Gewerbevereins der Freiwilligen Feuerwehr und des Vereins der Freunde der Feuerwehr sowie des Kleingartenvereins An der Mühle ihre Kräfte fürs Fest und beraten über das Motiv des künftigen "Dorfeuros".

Eine weitere Ausgabe sollen auch die "Baalsdorfer Angerschriften" erfahren. "Herausgegeben zu den beiden letzten Jahrestagen haben diese Jubiläumsschriften eine große Resonanz gefunden", erklärt Horst Fritsche, der Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins. An den diesjährigen "Angerschriften" sollen die schreiblustigen Nachbarn ihren Anteil haben. Denn die Broschüre listet keineswegs trockene historische Daten auf, sondern soll lebendige Geschichten, Anekdoten, Erlebnisse und Kuriositäten aus allen Epochen der Dorfgeschichte vereinen.

"Davon gibt es mit Sicherheit eine Menge. Viele wurden von einer Generation zur anderen übermittelt und sind vielleicht erst in der jüngsten Vergangenheit etwas untergegangen. Deshalb freuen wir uns über jede Zuschrift. Und wer seine Erinnerungen oder Anekdoten lieber erzählen möchte, kann sich ebenfalls bei uns melden. Dann schreiben wir sie einfach auf", ruft Fritsche seine Mitbürger und auch Ex-Baalsdorfer zur Mitarbeit auf.

Fritsche: "Es gibt bestimmt noch Leute, die am eigenen Leibe erfahren haben, dass früher nur der als waschechter Baalsdorfer galt, der einmal in einen der beiden Angerteiche gefallen war. Zur Not wurde da schon mal etwas nachgeholfen." Bis in die 40er und 50er Jahre war es unter den Jugendlichen des Dorfes noch Tradition, Osterwasser zu holen. Auch in diesem Zusammenhang dürfte der eine oder andere noch lebhafte Erinnerungen haben. Oder an den alten Nachtwächter Heine, der als großer Freund der Kinder galt.

Illustrationen erwünscht

Damit die hoffentlich zahlreichen Episoden in den "Angerschriften" auch ansprechend zur Geltung kommen, suchen die Festorganisatoren noch Zeichentalente, die sich in der Lage fühlen, die Anekdoten originell zu illustrieren. Zu diesem Zweck wollen die Baalsdorfer auch Kontakt mit dem Kunsterziehungslehrer des Engelsdorfer Gymnasiums aufnehmen.

So wartet beispielsweise eine Episode um Pfarrer Richter auf eine Illustration. 1945 unterrichtete er an der Notschule. Etwas behindert fiel es ihm schwer, sich auf sein Fahrrad zu schwingen. Deshalb hatte er vor der Schultür einen großen Stein zurecht gelegt, von dem aus er sich auf seinen Drahtesel schwang. Böse Baalsdorfer Buben machten sich jedoch einen Schabernack daraus, den Stein wegzurollen und sich zu amüsieren, wie Pfarrer Richter sich abmühte, um aufs Rad zu kommen.

Heinz Richter

Zuschriften erwartet der Heimat- und Kulturverein über seinen Briefkasten am Vereinshaus in der Brandiser Straße 20, 04316 Leipzig



 
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