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«Trafohäuschen mausert sich zum kleinen Tierparadies» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Freitag, 19. März 2004

Trafohäuschen mausert sich zum kleinen Tierparadies


Am Zweinaundorfer Teich entsteht ein kleines Tierparadies. Das ehemalige Trafo-Häuschen, ein rund sechs Meter hoher Turm, baut der Landesverband des Naturschutzbundes (Nabu) gemeinsam mit dem Mölkauer Heimat- und Kulturverein in eine Tierstation um. Dort sollen einmal Mauersegler, Eulen, Sperber, Spatzen, Fledermäuse und anderes Getier ein Zuhause finden. Zudem wird der Teich im Rahmen des Hochwasserschutzes noch in diesem Jahr saniert. Siedeln sich alle vorgesehenen Tierarten an, wird es ziemlich turbulent im ehemaligen Trafohäuschen zugehen: Eule, Falken, Mauersegler, Sperber, Spatzen und Fledermäuse erhalten jeweils eine eigene Behausung im Turm.

Das Gemäuer mit den Grundmaßen 3,5 mal 3,5 Meter, das sich im Besitz der envia Mitteldeutsche Energie AG befand, wird eine neue Fassade und ein neues Dach erhalten - beide bieten dann Einflugmöglichkeiten für Vögel und Fledermäuse. Außen werden zudem Kästen für Spatzen und Mauersegler angebracht. Auf den oberen Etagen haben die Tiere ihr Reich, unten wollen der Heimat- und Kulturverein und die Mölkauer Fischer ihre Geräte einstellen.

Der Mölkauer Jens Schäffer, der sowohl im Heimat- und Kulturverein als auch bei Nabu aktiv ist, wünscht sich für den "Vogel-Turm" die gleiche Artenvielfalt, wie sie schon an der Rietzschke anzutreffen ist. "Das Flüsschen haben wir inzwischen gut im Griff", sagt er. Dort hätten sich Eisvögel, Grasfrösche und Zaunkönige wieder eingefunden, seit es dort keine Abwässer mehr gibt.

Am Zweinaundorfer Teich ist das Verhältnis im Moment noch gestört: Zu viele Stockenten, trübes Wasser und viele Fische ließen derzeit kaum andere Tierarten zu, beobachtete Schäffer. Selbst Frösche trauen sich nicht an den Teich, bevorzugen das benachbarte Absetzbecken.

Die Zeichen stehen gut, dass sich in dem Gewässer, das derzeit vom Angel-Fischer-Verein 1990 Mölkau bewirtschaftet wird, das natürliche Gleichgewicht bald wieder einstellen kann. Denn noch in diesem Jahr will die Stadt Leipzig den Teich im Rahmen des Hochwasserschutzes sanieren. Wie berichtet, soll im Herbst das Wasser abgelassen werden.

Der Schlamm am Boden ist nach Informationen des Umweltamtes mit Kohlenwasserstoff belastet und muss auf eine Deponie gebracht werden. Bis auf zwei Inseln wird auch das Schilf beseitigt. "Die Rietzschke wird wieder durch den Teich hindurchfließen", berichtet Jens Schäffer. Der Fluss hielte dann sowohl Schilf als auch Schlamm im Teich in Grenzen, erläutert der Naturschützer. Klares Wasser wiederum biete auch Vögeln bessere Bedingungen bei der Nahrungssuche.

Auf rund 8000 Euro schätzt Jens Schäffer die Kosten der Sanierung des ehemaligen Trafohäuschens. 2000 Euro habe der Heimat- und Kulturverein bereits zugesagt. Auch der Nabu steuere einen Teil der Fördermittel, die er jedes Jahr vom Land Sachsen erhält, zum Umbau bei, sagt Schäffer.

Sollte der Baubeginn vorzeitig genehmigt werden, wollen die Naturschützer bereits in den nächsten Wochen loslegen.

Stephanie von Aretin



 
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